KAMERUN – Ein Lächeln, das die ganze Welt umarmt

KAMERUN - Ein Lächeln, das die ganze Welt umarmt

Vor einigen Tagen erreichte uns dieser bewegender Brief aus Yaoundé von Mireille Yoga, die das Zentrum Edimar leitet. Das Zentrum Edimar ist eines der Projekte, für die wir dieses Jahr bei unserer Weihnachtsspendenaktion "Früchte der Hoffnung" Geld sammeln werden.

Liebe FreundInnen,

Am 27. September schrieb mir Amedeo: "Mireille, das Zentrum EDIMAR  wird eines der Projekte sein, für die wir bei unserer Weihnachtsaktion um Unterstützung bitten werden. Das Motto lautet: 'Früchte der Hoffnung'. Wäre es möglich, ein kurzes Video zu drehen, in dem Du uns erzählst, was Hoffnung für Dich bedeutet?"

Liebe Freundinnen und Freunde, diese Frage begleitet uns auch jetzt, wo die Weihnachtsfeierlichkeiten näher rücken. Wir beschäftigen uns seit 21 Jahren mit der Realität der Straßenkinder und diese Realität hilft uns, in ihnen den menschgewordenen GOTT zu erkennen, wir erfahren also dadurch die christliche Hoffnung: Weihnachten zeigt uns den Erlöser, das brennende Licht, von dem wir hoffen, dass ein kleiner Schimmer unsere Dunkelheit durchdringt. Ein kleiner Schimmer, der uns dazu bringt, niederzuknien und seine Macht und Größe anzuerkennen.

Wer kann diese „menschgewordene“ Gegenwart erkennen, wenn nicht jemand wie dieser 16-jährige junge Mann namens Mamadou, dem wir bei unseren regelmäßigen „Straßenbesuchen” begegnet sind. Er hatte eine offene Fraktur, ein Stück Knochen, das seit mehreren Monaten aus der Wunde ragte. Er konnte nicht laufen, sich nicht selbst versorgen und schlief auf einem Karton, nur mit einem Stück Stoff bedeckt, gerade groß genug um zu verhindern, dass sich Fliegen auf der Wunde niederlassen. Das Stück Stoff konnte jedoch den Geruch nicht eindämmen. Die Passanten beäugten ihn genau, um die Herkunft des Gestanks zu entdecken und um dann Distanz zu halten. Eine Distanz, die Mamadou ein 5 m2 großes Reich schenkte, in dem er der einzige Bewohner war. Die Erzieher schlugen vor, ihn in das Zentrum Edimar zu bringen, wo man ihm zuhörte, ihn wusch und zu essen gab. Einige Tage später lag er bereits in einem Bett im Krankenhaus, wo er operiert werden durfte. Die Suche nach einem Verwandten verlief negativ.

Schon bevor er ins Krankenhaus gebracht wurde, hatte Mamadou den Erziehern mit Blicken und einem unnachahmlichen Lächeln gezeigt, wie sehr er sie umarmen wollte und mit ihnen die ganze Welt. Wir haben diesen Blick und dieses Lächeln selbst gesehen, das nicht nur direkt an uns gerichtet, sondern vielmehr durch uns hindurchzugehen schien bis hin zu Euch. Wir sind tief davon getroffen, diese Zuwendung zu erleben. Es schien uns unverdient zu sein und über alles menschliche Maß hinauszugehen und uns einen neuen Grund für unsere Hoffnung zu geben.

Das Weihnachtsfest bedeutet "GOTT IST FLEISCH GEWORDEN“! In dieser Zeit, in der die ganze Welt unter der Last von Schwierigkeiten aller Art zusammenzubrechen droht, in dieser Zeit, in der Tragödien jenseits des menschlichen Vorstellungsvermögens geschehen und totale Verwirrung in die sozialen Strukturen bringen, findet Ihr in Euch die Mittel, um Euch unserer Realität zuzuwenden. Ist diese Situation das Dringendste? NEIN! Ist sie die Dramatischste? NEIN! Ist sie die Schönste? NEIN! Die KRAFT, die Euer Herz durchdringt und es dazu bringt, uns zu unterstützen, ist dieselbe KRAFT, die die Menschlichkeit der Straßenkinder und Jugendlichen ernst genommen hat, nachdem sie zum EDIMAR-Zentrum gekommen sind. Don Luigi Giussani spricht von Gott als dem Mysterium, das die Initiative ergreift, um sich bekannt zu machen, indem es dem Menschen begegnet. Dieses Mysterium wird zu einer konkreten Erfahrung, zu einer unvorhersehbaren Antwort, mittels derer selbst der auf der Straße ausgesetzte Junge entdecken kann, von welcher Liebe er geliebt wird!

Liebe Freunde, Ihr könnt die Straßenkinder und die Jugendlichen nicht umarmen. Ihr könnt sie nicht physisch berühren, aber nichts hindert uns daran, sie Euch in Bildern zu zeigen. Diese sind "Die Früchte der Hoffnung". Sie sind aus der tödlichen Umarmung der „Mutter Straße“ gerissen worden. Dank Euch gehen sie zur Schule. "Ich möchte Arzt werden", sagte einer dieser Jungen, der auf der Straße mit Lesenlernen begonnen hatte und jetzt in die Oberschule geht.

Unser gemeinsamer Weg eröffnet dutzenden von Jugendlichen Hoffnung, Kreativität, Lebensfreude und Harmonie. Sie werden dadurch für uns zum lebendigen Zeichen der Weihnachtsfreude.

Zu diesem besonderen Anlass sagen wir Euch mit unseren einfachen Worten: DANKE! Wir sind dankbar für die kleinste Geste und den kleinsten Gedanken an uns. Wir bitten Euch um Verzeihung für all die Male, in denen wir vergessen haben, DANKE zu sagen, wie dieser junge Mann, der von der Straße zurück in die Schule ging und angesichts der Gleichgültigkeit seiner Mutter zu einem Erzieher sagte: "Meine Mutter hat sich noch nicht einmal für all das bedankt, was du für mich tust". Der junge Mann weiß, woher er kommt, er erkennt, was aus ihm geworden ist, er weiß, wer ihm die Hand gehalten hat, er weiß, wem er DANKE sagen muss!

Euch, die Ihr unsere Hand haltet, sagen wir DANKE und wünschen uns, dass dieses Weihnachtsfest 2023 uns dazu bringt, aus der Tiefe unseres menschlichen Bewusstseins angesichts der schwierigen Lebensumstände die Frage zu stellen: "Wo ist der Mensch?" und nicht nur "Wo ist GOTT?". Mit Euch und Eurer Hilfe schreiben wir kleine Lebensgeschichten, manchmal verfasst mit Tränen anstatt mit Tinte, aber die Freude und Dankbarkeit einiger Kinder offenbart uns den GÖTTLICHEN PLAN, der dadurch sichtbar wird. Wie jemand einmal sagte: "In der Liebe tun die engsten Umarmungen nichts anderes, als das schwer Fassbare im tiefsten Inneren zu enthüllen".

Frohe Weihnachten!

Mireille YOGA NKAMGNIA

 

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