GRIECHENLAND – Brief aus Lesbos

Von Tür zu Tür für Menschen am Rand der Gesellschaft

Unser Freund Günther Jäger ist seit einer Woche auf Lesbos und besucht täglich Menschen im Flüchtlingslager. Er hört ihnen zu, nimmt sich Zeit und hilft, wo er kann. Seine bewegenden Eindrücke möchten wir mit Ihnen teilen, denn Günther lebt vor, was uns bei all unseren Projekten am wichtigsten ist: für Menschen da zu sein.

Auf unserer Farm Home Village ist wie gewohnt alles in guten Händen. Die tägliche Gemüseernte ist mehr als ausreichend. Mit zunehmend kaltem Wetter wird diese jedoch zurück gehen.

Die Oliven an den Bäumen, die Support in 2022 finanziert hat, machen mir große Freude. Jahr für Jahr geben sie mehr Ertrag. Am Montag werden wir mit der Ernte dieser Oliven beginnen und dann auch sofort zu Öl verarbeiten.

Aus dem alten Gebäude auf der Farm ist mittlerweile ein sehr ansehnlicher „Show- und Meeting Room“ entstanden. Hier werden wir künftig Besucher empfangen und ihnen unser Projekt „Home for All“ vorstellen. Nächste Woche kommt bereit eine Gruppe Studenten und ich wurde gebeten ihnen Home Village vorzustellen.

Die Küche ist nach wie vor in guten Händen. Zwei Geflüchtete, Shar aus Sierra Leone und Mohammed aus dem Sudan machen seit mehr als einem Jahr tolle Arbeit und kochen täglich (außer Sonntag) hervorragendes Essen für die Menschen im Lager und für die Mitarbeiter auf der Farm. Sie haben ihre Passion gefunden.

Mohammed hat jetzt eine professionelle Ausbildung in einer Schule für Küchenchefs in Mytilini begonnen und wird diese in ca. 2 Jahren mit einem Diplom abschließen. Es wurde anerkannt, dass er bereits sehr große Erfahrungen in einer sehr gut ausgestatteten Küche hat. Somit hat er eine verkürzte Ausbildungszeit. Nach erfolgreichem Abschluss stehen Mohammed sicher Türen offen um sich eine gute Zukunft aufzubauen. Er sagte jedoch, dass er auch dann gerne bleiben wolle und in unserer Küche ggf. anderen Interessenten Praxisunterricht in unserer Küche anzubieten.

Auch Shar überlegt in die gleiche Richtung zu gehen und eine solche Ausbildung zu machen. Mal sehen…

Im Lager ist die Situation nicht einfach. Es kommen immer wieder Boote mit Geflüchteten an. Die meisten aber werden von der Insel Kreta nach Lesbos gebracht. Wir erwarten in den nächsten Wochen mehrere Hundert Flüchtlinge. Die Zustände in den Lagern auf Kreta scheinen furchtbar zu sein. Die meisten bei uns ankommenden Geflüchteten sind gesundheitlich sehr angeschlagen mit Krankheiten aber auch Entzündungen, Hautproblemen, Flöhen, etc. Sie werden nach Ankunft in einen Quarantänebereich im Lager gebracht. Leider ist es uns nicht erlaubt unser gutes Essen in den Quarantänebereich zu bringen.

So versuchen wir den Menschen zu helfen, die aus der Quarantäne entlassen werden. Wir können allerdings nicht die so notwendige medizinische Hilfe leisten. Aber schon unsere Anwesenheit, die Gespräche und das Essen, das wir den Kranken bringen wird von allen Betroffenen sehr geschätzt. Sie freuen sich sehr, dass sich jemand um sie kümmert.

"

"Ich werde weiter jeden Tag im Lager sein, von Tür zu Tür gehen und versuchen zu helfen soweit es möglich ist. Allein schon der Besuch bei den Menschen und das Gefühl, dass jemand da ist, ist für viele schon wertvoll. Gerade den Armen, den Ausgegrenzten und den Menschen auf der Flucht gilt eine besondere Zuwendung Gottes, da ihre Würde in der Welt am stärksten bedroht ist… diese Menschen sind uns ganz besonders anvertraut."

— Günther Jäger, Diakon und Projektleiter

Die Mehrzahl der Geflüchteten sind nun aus dem Sudan, gefolgt von Afghanistan, Jemen, Eritrea und Palästina. Sehr viele Menschen kommen derzeit aus Bangladesch und einige auch aus Ägypten. Diese beiden Länder sind jedoch als sichere Herkunftsländer eingestuft. Somit werden diese Flüchtlinge sicher wieder abgeschoben. Bei jedem Besuch – ich gehe, wie immer, zu jeder Unterkunft, von Tür zu Tür, und spreche mit den Menschen – spüre ich die Angst und die Verzweiflung wegen der ungewissen Zukunft.

Am Freitag war ich bei den allein reisenden Minderjährigen in der Save Area und habe ihnen neben dem täglichen Essen auch Obst, Fruchtsäfte und Schokoriegel gebracht. Die Freude bei den 55 Jugendlichen war riesig.

Herzliche Grüße und Gotten Segen

Günther

Getagged mit: , ,