RUANDA – Teenager‑Mütter erzählen

Ihre Stimmen, ihre Stärke: Teenager‑Mütter in Ruanda erzählen

Im April 2026 besuchte eine Delegation von Support den Kabarore‑Sektor im Bezirk Gatsibo in Ruanda. Dort trafen wir eine kleine Gruppe junger Frauen – Teenager‑Mütter, die am Projekt Humura Shengeteilnehmen, gefördert von der Postcode-Lotterie. Die Begegnung war tief bewegend. Die Mädchen erzählten offen von den Gewalterfahrungen, die sie erlebt haben, aber auch von den positiven Veränderungen, die das Projekt in ihrem Leben angestoßen hat.
Viele der jungen Mütter wurden sehr früh schwanger, häufig als Folge sexueller Gewalt. Die Konsequenzen waren Schulabbruch, soziale Ausgrenzung, Vertreibung aus der Familie und der Verlust jeder wirtschaftlichen Perspektive.
Im Rahmen des Projekts erhalten die Teenager‑Mütter verschiedene Bildungsangebote und organisieren sich in Spar‑ und Kreditgruppen (VSLA), um Schritt für Schritt ihre Selbstständigkeit zurückzugewinnen.
Von zentraler Bedeutung ist die Schulung „Der Wert des Lebens“, die den jungen Frauen hilft, erlittene Verletzungen zu verarbeiten und ihr Selbstbewusstsein sowie ihr Selbstwertgefühl neu aufzubauen.

D. erzählte uns, wie sie durch die Schulung neuen Mut fasste und gemeinsam mit anderen Frauen begann, kleine Einkommensaktivitäten aufzubauen. Heute kann sie regelmäßig sparen, Grundbedürfnisse für ihr Kind decken und ist sogar in ihre Familie zurückgekehrt, von der sie zuvor ausgeschlossen war. Besonders wichtig ist ihr der Austausch mit anderen jungen Müttern: „Wir sind Freundinnen geworden, weil wir dasselbe erlebt haben und darüber sprechen können."

Auch P. hat ein kleines Geschäft aufgebaut. Durch den Verkauf von Bananen kann sie inzwischen selbst Seife und Lebensmittel kaufen und für sich und ihr Kind sorgen. Sie lebt weiterhin alleine, weil ihre Familie mit ihr nichts mehr zu tun haben möchte.

"

"Wir sind Freundinnen geworden, weil wir dasselbe erlebt haben und darüber sprechen können."

— D., Teilnehmerin am Projekt "Humura Shenge"

E. ist jetzt 16 Jahre alt und wurde im Alter von 14 Jahren schwanger. Sie wurde aus ihrem Zuhause vertrieben und war verzweifelt. Heute lebt sie allein und schafft es dank ihres kleinen Geschäfts, ihre Miete zu zahlen. Im Rahmen des Kurses "Der Wert des Lebens" konnte sie durch das Modul "Die Welt der Person" ("Ich habe, ich kann, ich bin") ihren eigenen Wert wiederentdecken und so verstärkt sein, dass sie heute glaubt, zum Wohl ihres Landes beitragen zu können.

"

"Bevor ich zu dieser Gruppe kam, gab es Zeiten, in denen ich völlig "feststeckte". Die Teilnahme an den Treffen mit den anderen Teilnehmerinnen hat mir sprichwörtlich die Seele gerettet. Die Schulung „Der Wert des Lebens“ lehrte mich, besser auf mich selbst zu achten, und ermöglichte mir, meine Würde zurückzugewinnen. Heute weiß ich, dass ich mir selbst helfen kann.
Die Unterstützung meiner Eltern war oft von gemeinen und negativen Kommentaren begleitet. Wenn ich es nicht mehr aushielt, nahm ich mein Kind und ging. Heute leite ich meine eigene kleine Aktivität (Gemüseverkauf) und schaffe es sogar, meinen Eltern etwas davon zu schenken. Ich habe die Kraft gefunden, mich gut um mein Kind zu kümmern, und blicke positiv in die Zukunft."

— A., Teilnehmerin am Projekt "Humura Shenge"

Eine besondere Rolle in der sozialen Wiedereingliederung der Mädchen spielt das traditionelle „Urubohero“ – ein Raum des generationenübergreifenden Lernens. Ältere Frauen begleiten junge Mädchen auf ihrem Weg ins Erwachsenenleben und geben ihnen Halt, Wissen und Orientierung. Für die Teilnehmerinnen des Projekts Humura Shenge ist das Urubohero ein wichtiger Ort des Austauschs: ein geschützter Raum, in dem sie offen über sich selbst und ihre Lebenssituation sprechen, Rat erhalten und neue Wege sowie Perspektiven entwickeln können. Oft werden diese Gesprächsgruppen mit der Herstellung kleiner Handarbeiten verbunden, die die Frauen gemeinsam anfertigen und anschließend verkaufen können. Gleichzeitig bietet dieser intergenerationelle Dialog auch den älteren Frauen die Möglichkeit, die jungen Mütter mit neuen Augen zu sehen. So entsteht in den Gemeinden eine wachsende Sensibilität und ein veränderter Blick auf ihre Situation.

 

Trotz ermutigender Entwicklungen wurde uns bei unserem Besuch deutlich, wie viel Arbeit noch vor uns liegt. Das Projekt erreicht derzeit rund 90 junge Mütter mit ihren Babys – ein wichtiger Anfang, jedoch nur ein kleiner Schritt angesichts des großen Ausmaßes des Problems. Allein im Gebiet Kabarore wurden seit Jahresbeginn über 600 Fälle von Teenager‑Müttern registriert. Frühschwangerschaften, sexuelle Gewalt innerhalb der Familie, Ausgrenzung und fehlende Zukunftsperspektiven für die Teenager-Mütter stellen in Ruanda eine tiefgreifende und komplexe gesellschaftliche Herausforderung dar, die langfristiges Engagement erfordert.

Um noch mehr jungen Müttern Halt, Würde und Perspektiven zu ermöglichen, ist weitere Unterstützung notwendig. Helfen Sie mit, dieses wichtige Projekt zu stärken – durch Ihre Spende, Ihr Interesse oder das Teilen unserer Arbeit. Gemeinsam können wir Hoffnung in konkrete Lebensperspektiven verwandeln.

Getagged mit: , ,