CARE – Psychische Gesundheit stärken

WAS IST CARE?
CARE steht für „Comprehensive solutions for increased Access to mental health care Rooted in communities and Enhancing public services“ – ein langer Name für ein ebenso wichtiges Projekt.
Ziel von CARE ist es, die medizinische und psychologische Versorgung von Menschen mit psychischen, neurologischen und Suchterkrankungen (MNS) in Ruanda zu verbessern. Das erste Projekt wurde im Distrikt Gatsibo umgesetzt. CARE2 wird aktuell in den Distrikten Ruhango und Kamonyi weitergeführt und ausgeweitet.
CARE verfolgt einen ganzheitlichen, community-basierten Ansatz. Betroffene und ihre Familien erhalten besseren Zugang zu Gesundheitsdiensten. Gleichzeitig setzt sich das Projekt dafür ein, Stigmatisierung und Diskriminierung abzubauen und die Lebenssituation betroffener Familien zu verbessern.
WARUM IST CARE WICHTIG?
Krankheiten, die den Körper nicht physisch betreffen, sondern psychische und neurologische Störungen sowie Substanzmissbrauch (MNS) verursachen, werden in der Gesundheitsversorgung in vielen Entwicklungsländern häufig nur unzureichend berücksichtigt – obwohl sie mehr als 10 % der globalen Krankheitslast ausmachen (Quelle: WHO 2006).
In Ruanda sind die Menschen aufgrund der traumatischen Erfahrungen des Völkermords von 1994 besonders stark betroffen, insbesondere von Depressionen, Angststörungen und posttraumatischen Belastungsstörungen. Diese verbinden sich zudem mit bestimmten kulturellen Vorstellungen (z. B. im Umgang mit Epilepsie).
Hinzu kommt eine starke Stigmatisierung psychischer Erkrankungen, die häufig zu sozialer Ausgrenzung, mangelndem Zugang zu Behandlung und einem Teufelskreis aus Leid und Armut führt.
CARE hat sich zum Ziel gesetzt, diesen Menschen zu helfen, deren Leid oft ungehört bleibt.

WIE HILFT CARE?
Um langfristig wirksam zu sein, verfolgt CARE einen ganzheitlichen, community-basierten Ansatz. Menschen mit psychischen, neurologischen und Suchterkrankungen (MNS) sind aufgrund von Unwissenheit und Vorurteilen häufig stigmatisiert und sozial ausgegrenzt. Dies verstärkt ihr Leid und führt oft zu einer Verschärfung ihrer wirtschaftlichen Situation.
CARE hat sich zum Ziel gesetzt, den Zugang zu psychischer Gesundheitsversorgung in ländlichen Regionen Ruandas nachhaltig zu verbessern. Das Programm wird in verschiedenen Distrikten umgesetzt und kontinuierlich weiterentwickelt.
CARE baut dabei auf bewährten Ansätzen aus verschiedenen Regionen Ruandas auf und verbindet drei zentrale Säulen:
- Das WHO-Programm mhGAP unterstützt die Behandlung psychischer Erkrankungen mit bewährten Instrumenten und Schulungsangeboten, um die Versorgungslücke im Bereich der psychischen Gesundheit zu schließen.
- Die nationale Strategie Ruandas verfolgt das Ziel, psychische Gesundheitsdienste flächendeckend auf Gemeindeebene verfügbar zu machen.
- AVSI-Ruanda verfügt seit 1994 über ein starkes Netzwerk lokaler Partner und Gemeinschaftsstrukturen. Dieses Netzwerk wird genutzt, um die Zusammenarbeit zwischen Gemeinden, lokalen Akteuren und Gesundheitsdiensten in den genannten Distrikten zu stärken.
Auf dieser Grundlage werden Community Health Worker in den jeweiligen Projektregionen eingebunden und gemäß dem mhGAP-Leitfaden der WHO geschult. Sie werden von Supervisoren begleitet, die ihrerseits von Spezialisten des Ndera Hospital ausgebildet werden.
Die Betroffenen und ihre Familien erhalten Zugang zu Aufklärung, psychologischer Erstversorgung sowie – falls notwendig – medikamentöser Behandlung oder klinischer Überweisung. Darüber hinaus werden sie dabei unterstützt, wieder in den Arbeitsalltag zurückzufinden oder neue Einkommensmöglichkeiten zu entwickeln.
Ein weiterer wichtiger Bestandteil ist die Einbindung der Familien sowie eine breite Sensibilisierungskampagne in der Bevölkerung, um Stigmatisierung und Diskriminierung von Menschen mit MNS-Erkrankungen zu reduzieren.
CARE: DIE ERSTE ZWEI JAHREN (2021-2023)
Nach Abschluss der Schulungen für die Personen, die das Programm vor Ort umsetzen – darunter 10 Supervisoren, 22 Mitarbeitende der Gesundheitszentren und 650 Sozialarbeiter – konnte CARE in größerem Umfang gestartet werden.
In den Bezirken Gasange, Muhura und Kageyo mit insgesamt rund 70.000 Einwohnern wurden durch CARE 3.450 Menschen mit psychischen, neurologischen oder Suchterkrankungen (MNS) identifiziert. Davon wurden etwa 2.050 Personen dauerhaft in die Behandlung der lokalen Gesundheitszentren aufgenommen, rund 60 Personen mussten direkt in ein Krankenhaus eingewiesen werden. Bei etwa 1.000 Menschen wurden die Symptome als weniger schwerwiegend eingestuft, sodass zunächst keine kontinuierliche Behandlung erforderlich war.
Hinter diesen Zahlen stehen viele persönliche Schicksale. Für zahlreiche Betroffene bedeutet CARE die Chance, schrittweise in ein selbstbestimmtes und würdevolles Leben zurückzufinden. Bei unserem Besuch im November 2022 konnten wir einige dieser Menschen kennenlernen und aus erster Hand erfahren, wie sehr das Projekt ihr Leben verändert hat.
Auch die statistischen Daten zeigen die positive Wirkung des Projekts: In den Gesundheitszentren von Kageyo, Muhura, Gasange und Gituza stieg die Zahl der behandelten MNS-Patienten im Jahr 2022 im Vergleich zu 2020 – also vor Beginn von CARE – um fast 50 Prozent. In den beiden Bezirkskrankenhäusern Kiziguro und Ngarama wurde ein Anstieg von nahezu 20 Prozent verzeichnet, obwohl CARE nur in vier der insgesamt 14 zugehörigen Gesundheitszentren umgesetzt wurde.
Diese Ergebnisse zeigen deutlich, dass CARE die psychische Gesundheitsversorgung nachhaltig verbessert und vor Ort einen wichtigen Beitrag leistet.
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"Das, was in Ruanda geschieht, ist ein großer Wandel und eine Revolution in der Betrachtung von psychischen Erkrankungen und Menschen mit psychischen Störungen, bei denen es normalerweise eine lange Zeit braucht bis Vorurteile und Stigmatisierung verschwinden.
Ich war angenehm überrascht, in kurzer Zeit einige Aspekte der Gemeindepsychiatrie in Aktion zu sehen und ich danke Lorette Birara, Christine Niyokindi und allen Mitarbeitern von AVSI Ruanda für ihre Leidenschaft und die hervorragende Arbeit, die sie im Bereich der psychischen Gesundheit leisten sowie für die Zusammenarbeit, die sie erfahren haben.“
— Dr. Giovanni Galli, international anerkannter Experte für psychische Gesundheit
Förderpartner
Wir freuen uns sehr das die Else Kröner-Fresenius-Stiftung die gesamte Förderung dieses so wichtigen Projektes übernommen hat und eigens auf der eigenen Webseite dargestellt hat. Ganz herzlichen Dank dafür!
Projektverantwortung
Dr. Stephan Scholz: stephan.scholz@supportinternational.de


