Welcoming House Kampala/Uganda

Das Welcoming House – Kinder erfahren, dass sie willkommen sind!

„Wir gehören zu einem Plan, der nicht unser Plan ist; durch die Erkenntnis, wer ich bin, entdecke ich, dass ich Jemandem gehöre. Diese Verbindung mit Gott macht mich frei. Somit kann ich furchtlos alles bewältigen, weil ich weiss, Wem ich gehöre“

Dieses Zitat von Rose Busingye – Direktorin des Meeting Point International – hilft uns besser zu verstehen, was das Welcoming House ist. Nicht selten stößt man in den Slums von Kampala auf Kinder, die Opfer von Missbrauch, Gewalt und HIV/AIDS sind. Für diese Kinder hat Meeting Point International ein Zuhause bauen lassen, um Waisen und andere verwundbare obdachlose Kinder aufzunehmen.SONY DSCIm Welcoming House wohnen derzeit 83 Kinder;  die Jüngsten sind mit ihren 18 Monaten Anne und Seve. Apofia, eine ältere Frau, die selbst in den Slums groß geworden ist, kümmert sich den ganen Tag um sie und wird dabei von Kinderpflegerinnen unterstützt. 59 Kinder pendeln zwischen Arbeitsstätten, Ausbildungsplätzen und dem Welcoming House. Die anderen übernachten während der Schulzeit in ihren Internaten. Aber während der Schulferien und an Weihnachten, den längsten Ferien im ganzen Schuljahr, sind alle im Welcoming House. Sie spielen den ganzen Tag und die Älteren kümmern sich auch um die Jüngeren.SONY DSC

Dass es keine Altersgrenze gibt, mit der man das Welcoming House verlassen muss, hat Rose Busingye bewusst entschieden, denn das Welcoming House ist eine Familie. Daher können die Älteren bleiben, solange sie ihren eigenen Weg nicht gefunden haben oder eine eigene Familie gegründet haben. Die Verbindung wird aber für immer bleiben.

Die Kinder, die in das Welcoming House kommen, haben verschiedene Lebensgeschichten. Manche werden von der Polizei gefunden und hingebracht, andere werden einfach auf der Strasse aufgegriffen, manche sind die Kinder von verstorbenen AIDS-Kranken, die Rose gekannt hat. Steinbruch-1024x682 KopieFür sie sind die Mitarbeiter im Welcoming House eine echte Familie. Apofia, Freddy und Rose kümmern sich sehr liebevoll um sie und diese Liebe hilft ihnen, ihre Traumata zu überwinden und ein normales Familienleben zu führen.

Gleichzeitig versucht Meeting Point International weiterhin die Verwandten der Kinder aufzuspüren. Wenn die Suche erfolglos ist, werden die Kinder auch von anderen Familien in der Gemeinschaft aufgenommen, die rund um den Meeting Point International entstanden ist.

In der Arbeit des Meeting Point International steht die Person im Mittelpunkt. Die Identität jedes und jeder Einzelnen soll aufblühen. „Wir wollen, dass die Kinder zu Männern und Frauen werden, die sich ihres eigenen Wertes und und ihrer Würde bewusst sind,“ sagt Rose Busingye. Zweifellos gibt es in Kampala viele Organisationen, die sich um Kinder kümmern, trotzdem ist der Ansatz des MPI einzigartig. Das Ziel des MPI ist die Freude des Menschen. „Wir sind nicht auf dieser Welt, um Probleme wie Hungersnot, Krankheit oder Tod zu lösen. Vielmehr wollen wir verstehen, dass Gott in all diesen Umständen bei uns ist und zwar durch eine menschliche Begleitung. Man entdeckt, dass es sich lohnt zu leben, weil jemand sich um mich kümmert, egal wer ich bin. Dann bleiben die Probleme, aber mein Herz lebt und ist voll Hoffnung“, betont Rose.

Psychosoziologische Hilfe

Täglich besucht Rose die Kinder, um gemeinsam mit ihnen zu essen, zu singen, zu tanzen oder zu sprechen. Es sind intensive Stunden, deren Qualität genau darin besteht, dass Rose  feststellen kann, ob es den Kindern gut geht oder nicht, so dass sie dementsprechende Entscheidungen treffen kann. Dabei wird sie von gut ausgebildeten Helfern unterstützt.

Gesundheit

„Unsere Arbeit ist nicht nur Armen und Kranken gewidmet, sondern all denjenigen, die unter einem Mangel an menschlichen Bindungen leiden. Würden diese Leute keinen Trost durch die Liebe einer anderen Person finden, wären ihr Leben nachhaltig davon beeinträchtigt“, so Rose.

Jede Frau und jeder Mann, der neu zum MPI kommt, wird mit Liebe aufgenommen. Der MPI setzt auf den Wert und die Würde des Individuums und setzt alle Hebel in Bewegung, um dies sichtbar und spürbar zu machen. „All unsere Patienten erhalten moderne Arzneimittel gegen HIV/AIDS. Außerdem bekommen sie geeignete Nahrungsmittel und die nötige Erholung, damit die Nebenwirkungen der Medikamente so gering wie möglich sind.“

Jede neue Person kann beim MPI persönliche Gespräche mit den Mitarbeitern führen und sich mit den anderen Patienten auszutauschen. Die persönliche Beziehung unter den Patienten ist genauso wichtig wie die medizinische Versorgung. Wenn diese Beziehung stark genug ist, ist sie wie ein Funke, die alle ansteckt und den Weg zum gemeinsamen Ziel erleichtert: die Leidenschaft für die Menschen.

Die Kinder vom Welcoming House sind die ersten, die diese menschliche Fülle erfahren.

Ein Garten in der Stadt

Welche Freude macht es, auf einem Stück Land die Früchte der eigenen Arbeit ernten zu können! Gerade in städtischen Gebieten ist ein eigener Garten schön und nützlich. Für die Kinder des Welcoming House ist er besonders anziehend. Gemeinsam lernen sie dort den Wert einer sorgfältigen und beständigen Arbeit und den Beitrag der Feldfrüchte zu einer ausgewogenen Ernährung. Im Ortsteil Ssonde, nahe dem Welcoming House, pflanzen sie Bananenbäume, Cassava, Bohnen und andere Gemüsesorten. 18 Kinder und Jugendliche machen mit und lernen dabei viel über Natur, Leben und Umwelt; die Ernte ist für das Haus bestimmt.

Dies sind nur einige Beispiele für die Aktivitäten, die durch die Mitarbeiter des Meeting Point International im Welcoming House angeboten werden.

Die Kinder dort werden auch im staatlichen Geburtsregister erfasst. Dadurch können sie Sozialleistungen in Anspruch nehmen, wie u.a. das Recht auf eine Schulausbildung. Vor allem aber ist die Registrierung eine Hilfe, um viele Ungerechtigkeiten zu bekämpfen. Beispielsweise ist der Eintrag ein Altersnachweis. Er mindert das Risiko von Kinderarbeit und dass die Mädchen zu früh zur Eheschließung gezwungen und Jungen zu früh zum Militärdienst berufen werden. Die anerkannte Staatsbürgerschaft hilft bei der Bekämpfung von Kinderhandel und –missbrauch. Die Registrierung erleichtert auch die Arbeitssuche und erlaubt es, irgendwann ein Bankkonto eröffnen, einen Reisepass zu beantragen, einen Kredit zu bekommen und an den politischen Wahlen teilzunehmen. All dies sind nur schein bar alltägliche Vorgänge – sie stehen aber denjenigen nicht offen, die namenlos und verlassen am Rande der Gesellschaft aufwachsen würden, wenn sie niemand iher annehmen würde.

Das Verfahren ist nicht einfach, weil viele der Kleinen Findelkinder sind und von der Polizei zum MPI gebracht werden. Meistens haben sie keine Dokumente, aber es lohnt sich, auch die behördliche Anerkennung für sie zu erstreiten.

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