Support International e.V.
Uganda 2008 - Reisebericht
(Klick auf die Bilder zeigt diese vergrößert)
"Wie kann man glücklich sein, wenn man AIDS hat?"
Diese Frage eines Mädchens aus einer wohlhabenden amerikanischen Familie richtet sich an die Ärztin, die gerade in einer New Yorker Schule über ihre Arbeit mit HIV-Positiven berichtet hat. Ihre Antwort: "Wenn es Dir schlecht geht, was wünscht Du Dir dann am meisten? Eine Freundin, die Dich gern hat, dich tröstet und einfach bei Dir ist."
Dieses Glück, diese Freude am Leben, ist den vielen Kindern und Erwachsenen deutlich anzusehen, die wir bei unserem fünften Besuch bei den Freunden vom Meeting Point in Kampala treffen. Teilnehmer der zehntägigen Reise zu Ostern 2008 sind Maria Groos, Geschäftsführerin unseres Vereins, eine deutsche Familie, deren Tochter gerade ein Praktikum beim Meeting Point absolviert, sowie Jeanne Marzi. Sie betreut die Kinderpatenschaften, die wir zusammen mit dem Meeting Point vermitteln.

Die Mitarbeiter des Meeting Point International mit den deutschen Freunden
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Auch wenn die AIDS-Prävalenz unter den Erwachsenen in Uganda von 25% zu Beginn der neunziger Jahre auf heute etwa 7% zurückgegangen ist, kämpft das Land doch immer noch mit den Konsequenzen. Die Patienten bedürfen einer lebenslangen Therapie sowie materieller Unterstützung, viele Kinder haben ihre Eltern verloren und haben ohne Hilfe von außen weder Geld für den Schulbesuch, noch für Essen oder Kleidung. Mehr als 2,2 Millionen Waisen gibt es, das sind 15% der Kinder! Weitere acht Millionen Kinder werden aufgrund ihrer Lebenssituation als "schutzbedürftig" eingestuft.

Plakat in den Straßen Kampalas: 60 Millionen Waisen in Afrika
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Im Elendsviertel von Kireka erzählt die 21-jährige Jennifer: "Mein Vater starb, als ich vier Jahre alt war. Meine Mutter verdiente durch den Verkauf von Lebensmitteln aus dem Garten nur wenig. Zunächst konnten meine Geschwister und ich noch die Grundschule besuchen, aber dann reichte das Geld nicht mehr. Einige Jahre musste ich zu Hause bleiben. Als ich durch den Meeting Point eine Patenschaft erhalten habe, konnte ich mit der fünften Klasse weitermachen. In der zehnten war ich so schlecht, dass die Schule mich nicht mehr nehmen wollte, aber Rose, die Leiterin des Meeting Points, hat sich für mich eingesetzt. Jetzt stehe ich kurz vor dem Abitur und habe gute Noten." Ihre Mutter ergänzt: "Durch die Hilfe konnte ich Kleidung kaufen und die Wohnung bezahlen. Ich erhalte auch Medikamente gegen meine HIV-Infektion, und es geht mir besser. Wenn ich sterbe, ist Rose die Mutter meiner Kinder."
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Mit diesen Worten bringt sie ein wesentliches Anliegen von Rose Busingye, die den Meeting Point 1993 gegründet hat, zum Ausdruck.. Den Patienten und ihren Familien wird eine Beziehung vorgeschlagen, eine Freundschaft, in der sie sich ganz angenommen wissen. Sie werden nicht auf ihre Erkrankung und die damit verbundenen Probleme reduziert, für die man dann eine pragmatische Lösung suchen könnte. Vielmehr geht es um ein Zusammenleben, in dem der Wert der einzelnen Person wieder neu zur Geltung kommt. Indem sie die Zuneigung der Mitarbeiter erfahren, werden sich die Kinder und Erwachsenen ihrer eigenen Würde wieder bewusst. Sie entdecken auch ihre eigenen Fähigkeiten neu und sind bereit, Verantwortung für sich selbst und andere zu übernehmen. Insgesamt 34 Frauen, die noch vor einiger Zeit mit ihren Kräften am Ende waren, sind jetzt freiwillige Mitarbeiter. (Bild 4) Sie schauen, wer Hilfe braucht, verteilen Essen und Medikamente; einige haben sogar Waisenkinder bei sich aufgenommen, damit diese in einer Familie groß werden können!

Rose Busingye (Mitte), Direktorin des Meeting Point International und einige Freiwillige Mitarbeiter
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Die Lieder der Frauen bringen eine wesentliche Wahrnehmung von ihnen zum Ausdruck: das Neue, was sie im Zusammenleben erfahren haben, kommt nicht von neuen Strukturen, neuen Organisationsformen oder neuen Entwicklungsprojekten. Entscheidend ist vielmehr die Begegnung mit einer Person, die in ihrem Leben einen größeren Wert, eine anziehende Schönheit erfahren hat und diese bezeugt. Dies ist es, was den Menschen bewegt.
Insgesamt betreut der Meeting Point heute 2000 Patienten und 2500 Kinder. Für die Vorschulkinder ist eine Tagesstätte eingerichtet worden, wo sie spielen und lernen, statt auf der Straße herum zu streunen. Hier arbeitet seit ihrem Abitur im vergangenen Jahr Veronika aus Deutschland als Praktikantin.
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Die Frauen aus Kireka haben ihre Verbundenheit mit ihr durch den afrikanischen Namen "Awat" zum Ausdruck gebracht, das heißt: die mit den vielen Beziehungen. Veronika: "Nach Afrika zu gehen, ist das beste, was ich je gemacht habe".
Von dem Jugendchor in Kireka hat sie afrikanische Lieder gelernt. Sie sind teilweise selbst gedichtet und komponiert. Ihrerseits hat sie dem Chor englische, spanische und italienische Lieder beigebracht. Wir sind sehr beeindruckt von dem Gesang und noch mehr von der Freude, mit der die Jugendlichen singen. Man merkt, dass sie Freunde sind. Am Straßenrand stehen Kinder, die gerade aus der Schule kommen und begeistert mitklatschen und tanzen. Nach dem gemeinsamen Mittagessen erzählen uns einige Jugendliche ihre persönliche Geschichte. Die meisten haben früh ihre Eltern verloren, sind einige Zeit nicht zur Schule gegangen und konnten erst mit Hilfe von Patenschaften den Unterricht wieder aufnehmen. In der Osternacht gehörten einige zu einer Gruppe von zwölf jugendlichen Täuflingen.
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Am Abend treffen wir Carolyne. Sie war elf Jahre lang unser Patenkind und hat in der Zeit Schule und Journalistik-Studium absolviert. Ab Juli hat sie eine Arbeitsstelle als Assistentin für Öffentlichkeitsarbeit an ihrer ehemaligen Universität. Ein unglaubliches Ergebnis für den relativ geringen Einsatz, den eine Patenschaft bedeutet.
Am nächsten Tag sind wir in Naguru, einem weiteren Slum in der Millionenstadt Kampala. Frauen und Jugendliche begrüßen uns mit Liedern, Tänzen und Trommeln.
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Zwei kleine Theaterstücke zeigen, wie sie es schaffen, für sich und andere problematische und mit Tabus besetzte Themen anzugehen. Zunächst geht es um häusliche Gewalt.

Der "gewalttätige Ehemann" im Theaterstück
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Eine Frau spielt den prügelnden Ehemann, eine andere die Ehefrau, mehrere weitere die besorgt eingreifenden Nachbarn. Die Szene endet damit, dass der Ehemann von seinem Tun abgehalten wird. In der Realität sieht es oft anders aus. Im zweiten Stück geht es darum, dass enge Verwandte und Freunde sterben, und darum, wie man trotzdem weiterleben kann. Diese öffentlichen Aufführungen helfen den Frauen des Slums zu verstehen, dass solche Probleme in vielen Familien bestehen, dass man sich ihrer nicht zu schämen braucht, sondern um Hilfe bitten und sie annehmen kann.
Am Nachmittag geht es ins Welcoming House, wo wir die Betreuerin Apofia mit acht Kindern von 2 bis 10 Jahren treffen. Die Kinder wurden alle auf der Straße gefunden, zum Teil waren sie zu diesem Zeitpunkt erst wenige Wochen alt. Jetzt gehen fast alle in den Kindergarten oder in die Grundschule. Die kleine Lina, die taubstumm ist, soll sobald wie möglich die einzige entsprechende Behindertenschule in Kampala besuchen. Das Haus ist auch Bezugspunkt für mehr als 20 jugendliche Waisen, die Internatsschulen besuchen, und nur in den Ferien im Welcoming House sind. Mit seinen drei Zimmern ist es schon lange viel zu klein. Der Neubau steht kurz vor der Fertigstellung und wird bald bezogen werden. Den ganzen Nachmittag spielen wir mit den Kindern und freuen uns mit Ihnen.
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Dass der Großteil der Jugendlichen Internate besucht, ist nicht nur einfach durch das von der britischen Tradition geprägte Schulsystem begründet. Rose erklärt uns, dass die Kinder sich im Internat viel besser auf die Schule konzentrieren können. Sie verlieren weniger Zeit für das Hin- und Herfahren (was in Kampala sehr chaotisch ist), sind unter Gleichaltrigen und insbesondere Mädchen müssen nicht einen Teil der Zeit für die Hausaufgaben in die Versorgung des Haushaltes stecken. Außerdem ist regelmäßiges Essen und die medizinische Versorgung gewährleistet.
An den übrigen Tagen führen wir wie immer auf unseren Reisen Gespräche mit den Sozialarbeitern und anderen Angestellten des Meeting Points über "unsere" Patenkinder, ihre schulische Entwicklung, die menschliche Begleitung und die Verwendung der finanziellen Mittel. Wir kennen uns nun schon einige Jahre und die Atmosphäre ist freundschaftlich und vertrauensvoll. Weitere Gesprächspartner sind die Mitarbeiter unserer italienischen Partnerorganisation AVSI, die schon seit mehr als 25 Jahren in Kampala präsent ist, und uns bei unseren Aufenthalten auch immer in ihrem Gästehaus beherbergt.
Den Abschluss bildet ein kurzer Abstecher in einen der ugandischen Nationalparks. Die Schönheit der Landschaft und der Tierwelt beeindruckt. Wir werden uns um so mehr des Wertes der Natur und des Lebens bewusst, das uns geschenkt ist.
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