Irak

IRAK - Kindergarten "Casa Bambino Gesù" 

„Beeindruckend war für mich die zutiefst positive Haltung der Menschen, die wir getroffen haben. Ihr Wunsch nach einem schönen, guten und sinnvollen Leben, der zum Ausdruck kam durch die Art und Weise wie sie uns empfangen haben und alle Bemühungen, die sie unternommen haben, um ihr Leben zu meistern (nachdem sie ALLES verloren haben), begleitet mich noch immer. Die Arbeit mit diesem Projekt gibt mir die großartige Möglichkeit aus diesen Beziehungen auch für meine eigenen zu lernen und mehr noch auf das Wesentliche zu schauen, was unser Leben letztlich ausmacht.“

 (Monica Diefenhardt)

Der politische Kontext – Flucht und Vertreibung

Im Sommer des Jahres 2014 überrannte der sogenannte Islamische Staat (IS) die gesamte Ebene von Niniveh im Norden des Iraks und eroberte die Stadt Mossul im Handstreich. Das vom IS etablierte Terror-Regime löste eine humanitäre Krise größten Ausmaßes aus: viele Dörfer wurden komplett zerstört, Bewohner mussten zu tausenden fliehen. Dieses Schicksal ereilte auch die in erster Linie von Christen bewohnte Stadt Karakosch. Sie wurde fast vollständig zerstört und praktisch alle Einwohner flohen in die nördlich gelegene Stadt Erbil, die - im Einflussgebiet der Kurden - von der Invasion verschont blieb.

Der Kindergarten Casa del Bambino Gesù  

In der Peripherie von Erbil riefen einige engagierte Eltern unter der Leitung von Schwestern des Dominikanerordens, die auch geflohen waren, im April 2015 den Kindergarten „Casa del Bambino Gesù“ (Haus des Jesuskindes) ins Leben. Von Anfang an war dieser Kindergarten für die Kinder ein Ort der Geborgenheit und Normalität in diesen stürmischen Zeiten -  für die Eltern ein Ort der Hoffnung.

Der Kindergarten wird seit seiner Gründung von Support über unsere Partnerorganisation AVSI unterstützt. Nach Vertreibung des IS aus Mossul und aus allen Teilen der Niniveh-Ebene konnte der Kindergarten im Herbst 2017 wieder nach Karakosch zurückkehren und im Dezember 2017 mit über 450 angemeldeten Kindern in einer schönen Feier eröffnet werden. Wir konnten so - zusammen mit unseren Freunden von der AVSI -  die Kinder, ihre Familien und die Angestellten des Kindergartens (alles selbst Flüchtlinge) auf ihrem sehr schwierigen Weg ein Stück begleiten. 

Unter der Leitung der Dominikanerschwester Ibtihaj übernehmen die 12 Lehrer - ihrerseits auch Vertriebene -  sämtliche spielerischen, erholenden und erzieherischen Tätigkeiten: So antwortet der Kindergarten auf das Bedürfnis der Familien, einen geschützten Ort zu haben, zu dem man die eigenen Kinder tagsüber mit gutem Gewissen schicken kann. Der Unterricht für die Kinder findet an fünf Tagen die Woche statt, morgens von 8 bis 12 Uhr. Am Vormittag verteilen die Schwestern ein kleines Frühstück mit Milch und Keksen. Dabei können die Kinder zusammenbleiben und spielen.

 

Schönheit als Antwort auf Trauer und Vertreibung

"Ihr habt uns vor eine große Herausforderung gestellt - dieser Ort ist jetzt so schön geworden. Ich fürchte jetzt geben sich die Menschen hier in Qaraqosh nur noch mit Dingen zufrieden, die mindestens so schön sind."

(Bischof Pedros Mouche zu einem AVSI Mitarbeiter vor Ort bei der Eröffnung des Kindergartens)

Die Kinder in guten Händen zu wissen, gibt den Eltern den notwendigen Freiraum, ihr Leben neu aufzubauen. Mehr als 16 Frauen ist er ein sicherer und schöner Arbeitsplatz. So gibt er ihnen eine Lebensperspektive, die die immer präsente Alternative zu emigrieren, in den Hintergrund treten lässt.

Für die Beständigkeit und Nachhaltigkeit des Kindergartens ist besonders die Präsenz des Ordens der Dominikanerschwestern ein Garant. Mit ihrer erzieherischen Arbeit bilden sie ein ganz wesentliches und konstitutives Element zum Aufbau einer funktionierenden Zivilgesellschaft, die gerade im Irak nach der Katastrophe des Krieges und dem Trauma des „IS“ so dringend neu gebildet werden muss.

Projektverantwortung

Monica Diefenhardt: monica_diefenhardt@yahoo.de

Sebastian Schworm:  sebastianschworm@gmail.com