Syrien: Pfarrer aus Aleppo spricht beim MEETING in Rimini

Pater Ibrahim Alsabagh ist Pfarrer der Lateinischen Gemeinde Hl. Franziskus von Assisi von Aleppo/Syrien. Er ist Franziskaner, 44 Jahre alt und seit 10 Jahren Priester. Beim Meeting für die Freundschaft unter den Völkern sprach er am 23. August 2015 über die Herausforderungen, die die schwierigen Lebensumstände in Aleppo für die Lebens- und Glaubenskraft der Menschen darstellen. Die Begegnung trug den Titel: Ein Grund zu leben und ein Grund zu sterben: Märtyrer heute

Hier ein Ausschnitt mit deutschen Untertiteln

Und hier der Beitrag leicht gekürzter schriftlicher Fassung:

„Ich freue mich und fühle mich geehrt, heute Abend bei euch zu sein. Ich hätte gerne an allen diesen wunderschönen Tagen des Meeting teilgenommen. Wegen der Bedürfnisse meines Volkes, meiner Schafe, sind mir nur drei Tage gewährt worden. Aber es freut mich wirklich sehr, gemeinsam mit euch die Freude des Glaubens zu teilen.

Ich kann die allgemeine Situation der Menschen, des ganzen Volkes in Syrien in einem Wort beschreiben: wir sind im Chaos. Wir sind in vollkommener Unordnung. Die Stadt Aleppo ist in zig Teile geteilt. Es herrscht Chaos, weil zahlreiche dschihadistische Milizen die einzelnen Stadtteile kontrollieren. Wir leben in einem Stadtteil unter der Regierung und dem Schutz der regulären Armee. Es mangelt an allem, vor allem an Sicherheit.

Die Dschihadisten bombardieren alles und verschonen die Menschen in ihren Häusern nicht; auch nicht die Moscheen, nicht die Kirchen, nicht die Kinder, nicht die Alten. Wir sind unter ständigem Bombardement. Manche Gebiete sind vollkommen zerstört, so auch in unserer Nähe ein wichtiger Ort der antiken Christenheit, der Platz von Farhad: dort gibt es jetzt nur noch Trümmer. Die Bombardements kommen unserem Kloster langsam näher. Die Menschen in der Parallelstraße habe ihre Häuser schon verlassen. Wir wissen nicht, wann unsere wunderschöne Kirche getroffen wird. Wir sind an der Frontlinie und unter Beschuss.

Die Terrorgruppen haben auch Krankenhäuser, Schulen und viele Häuser beschossen, nicht nur mit Giftgasraketen, sondern auch mit Waffen von großer Zerstörungskraft. Und die Hämorrhagie, das Ausbluten, geht weiter. Es ist ein Ausbluten, das den Tod bringt, viele Verstümmelungen, viel Emigration, viel Terror, viel Bitterkeit im Herzen.

Zu der mangelnden Sicherheit kommt die Verteuerung der Lebenshaltung. Die Preise sind in den Himmel gegangen. Es ist sehr schwierig, an Fleisch zu kommen, an Milch zu denken, an Käse, an Butter. Die Leute schaffen es nicht. Auch weil die Reichen schon zu Beginn der Krise vor zwei Jahren weggegangen sind. Mit uns sind die Ärmsten geblieben. Es gibt eine Verarmung des ganzen Gesundheitswesens. Viele Ärzte haben das Land verlassen. Viele private Krankenhäuser und Kliniken haben keine Arzneimittel.

Und dann gibt es noch den Mangel an Wasser, der tödlich ist. Einige Dschihadisten kontrollieren die Pumpen, über die Wasser nach Aleppo gelangt. Sie leiten das Wasser um, damit die Menschen nichts zu trinken haben.

Die Menschen haben keine Elektrizität und kein Wasser. Seit sechs Wochen kommt das Wasser mit Unterbrechungen von acht Tagen. Wir haben schrecklichen Durst. Viele Kinder sind ins Krankenhaus gekommen, weil sie schmutziges Wasser getrunken haben. Und einige sind deswegen gestorben.

So viel Leid! Es mangelt an allem. Wenn diese notwendigen Elemente fehlen, wie kann man einen Christen davon überzeugen, in diesem Land zu bleiben? Warum sollte er bleiben? Es ist besser über das Meer abzuhauen. Wir waren überrascht, dass junge Leute, die bestens ausgebildet sind, die studiert haben, es akzeptiert haben, auf´s Meer hinauszugehen, um ein Leben in Frieden zu führen. Es gibt viele Christen, die das Land verlassen haben oder vielleicht morgen gehen.

Wir scheinen im Buch der Apokalypse zu sein, das ich fast jeden Tag meditiere. Denn wir Christen im Mittleren Osten, besonders in Aleppo, sind fast im Zentrum der Apokalypse.

Wie leben wir dort? Wir Ordensbrüder sind im Kloster „Hl. Fransziskus von Assisi“  ca. 60 Meter von den dschihadistischen Milizen entfernt.

Es gibt arme Menschen um uns herum, die schauen und hoffen und von uns viele Dinge erwarten. Die Antworten sind, wie man sich vorstellen kann, nicht nur passiver Natur, also dass man Geduld haben muss und jeden Tag das Kreuz tragen muss. Dort muss man reagieren, sofort auf den Augenblick reagieren. Unsere Antwort, die diejenige des Glaubens und der Auferstehung ist, ist eine solche positive Reaktion.

Man muss aufmerksam sein auf den Hl. Geist, der weht. Man muss aufmerksam sein auf die Bedürfnisse der Menschen auf der Straße. Sicherlich nicht nur die der Christen, sondern auch die der Moslems. Wenn es an der Tür klopft und eine Frau um Wasser bittet, ist es unwichtig, ob sie einen Schleier trägt oder nicht. Wichtig ist, dass sie Durst hat. Das gleiche gilt für die hungernden Kinder. Das gleiche gilt für die Menschen, die vor einer Bombe fliehen und etwas Sicherheit brauchen. Der Mensch dort ist seiner menschlichen Würde beraubt. Und wir leiden sehr viel, meine Brüder und ich, nicht nur wegen unseres persönlichen Leidens, dass sehr wertvoll und wichtig ist. Sondern wir leiden, weil wir den Mangel an menschlicher Würde sehen. Wo ist die menschliche Würde geblieben? Sie ist den Menschen geraubt worden.

Ein Mensch stinkt, wenn er zwei Wochen lang kein Wasser bekommen hat. Wir haben viele von ihnen gesehen. Wir haben 85-jährige gesehen, die Eimer getragen haben, um etwas Wasser von der Quelle des Klosters zu bekommen.  Wir haben zehnjährige Kinder gesehen, die den ganzen Tag nichts anderes tun als hin und her zum Wasserhahn des Klosters zu gehen, um Wasser zu verteilen. Wir haben die Klagen der Menschen gehört, die Probleme mit ihrem Rücken und den Knien haben, weil sie so viel Wasser Treppen bis zum 6. Stock hochtragen mussten.

Das was uns wirklich leiden lässt ist, dass dem Menschen die menschliche Würde geraubt wurde mit einer schrecklichen Absurdität. Das Leiden des gekreuzigten Jesus in der Menschheit heute, im Christen aber auch im Moslem.

Unsere Antwort ist sehr kreativ. Wir versuchen, immer wach zu sein gegenüber den Eingebungen des Hl. Geistes und den Bedürfnissen der Menschen. Wir müssen tief auf die Stimme des Herrn hören und auf den Schrei der Unschuldigen. Dann verstehen wir, wie wir reagieren können. Wir bitten und wir leben, und wir spüren in uns die Großherzigkeit, die in unsere Natur als Christen, als als Geweihte, als Priester eingeschrieben ist, und die bereit ist, auch das Leben zu geben. Wir sind auch mit einem Opfergeist versehen, um Menschen aufzunehmen, um Tag und Nacht denjenigen die Tür zu öffnen, die Hilfe brauchen.

Man muss im Moment des großen Kreuzes von Jesus lernen. Er wusste während seiner Kreuzigung, die drei Stunden dauerte, an die anderen zu denken, an die Zukunft zu denken. An die Zukunft Marias und die Zukunft des Johannes. Und an das Heil derer, die ihm nahe waren, also an den guten Schächer. Trotz des großen Leidens dachte er nicht nur an sein Erlösungswerk für die ganze Welt, sondern auch an den neben ihm, der mit ihm litt.

Und dann dachte er auch an eine sehr schöne Sache, die wir Christen dann gelernt haben und zu leben versuchen: die Vergebung. Denjenigen vergeben, die ihn gekreuzigt haben, auch wenn sie ihn nicht darum gebeten haben.

Darum sage ich, dass unsere Antwort sehr kreativ ist, denn sie kommt aus dem Glauben, aus dem Beispiel Jesu. Da versuchen wir wirklich kreativ zu sein.

Gegen den schrecklichen Mangel an Wasser, gegen den wir jeden Tag kämpfen, haben wir Fahrer und kleine Lieferwagen mit Wasserzisternen und -pumpen unter Vertrag genommen, um Wasser zu den Wohnhäusern bringen zu lassen. Es gibt eine Liste mit 500 Namen von Familien, die auf Wasser warten. Aber wir konnten nur 30 oder 40 Familien täglich versorgen. Wir können nicht das Wasserministerium sein, aber es ist uns gelungen, den Durst von vielen Familien zu stillen. Mit der Hilfe vieler fleißiger Helfer gelingt es uns, jeden Tag viele Liter Wasser zu verteilen. Wir danken dem Herrn für die Gnade, dass in unserem Brunnen Trinkwasser ist. Die Menschen kommen von früh bis spät und von weit her.

Unter ihnen haben wir viele Alte gesehen, die allein gelassen und einsam waren. Sie konnten nicht jeden Tag Wasser für sich nach Hause holen. Wir haben einige Freiwillige zwischen 12 und 18 Jahren angesprochen und sie mit 10-l-Behältern ausgestattet, damit sie die alten Menschen in einem gewissen Umkreis unseres Klosters mit Wasser versorgen konnten. Wenn nicht jeden Tag, so doch jeden zweiten Tag.

Manchmal schaue ich auf mich selbst und lache über mich. Ich bin verliebt in Bücher und liebe das Studium mit tiefen theologischen Diskussionen. Doch in Aleppo finde ich mich als Feuerwehrmann vor, als Krankenpfleger und manchmal als Kinderbetreuer, wenn es die Möglichkeit dazu gibt. Und schließlich irgendwann, als letzte Rolle, auch als Priester. Aber das ist sehr schön, denn das ist die wahre Erfahrung des Geweihten, oder des Priestern aber auch des Laien, der sich dazu berufen fühlt, der Kirche zu dienen und sie aufzubauen.

Einmal habe ich vor mir jemanden gesehen, der einige Eimer trug, manche von ihnen waren schmutzig. Ich wollte diese Eimer nehmen. Aber die Person wollte sich nicht von mir helfen lassen. „Aber Pater, Du könntest Dein Gewand schmutzig machen“, sagte sie mir. Ich habe geantwortet: „Dieses Gewand ist dafür gemacht, schmutzig gemacht zu werden im Dienst an den anderen. Das ist unsere Berufung als Christen und als Priester.“

Wir sind in einer großen Krise, in einer großen Schwierigkeit. Die Angst regiert in den Herzen. Das Leid ist sehr groß, nicht nur das der Christen, sondern auch das der Moslems. Viele schämen sich dessen, was um sie herum vorgeht. Sie versuchen, jede Auseinandersetzung über den Fundamentalismus zu vermeiden. Wir sind in großer Unsicherheit. Wir wissen nicht, wann sie aufhören wird. Es ist wie die Geschichte der Apokalypse, die Verfolgung der ersten Christen. Wir wissen nicht, wann sie endet. Aber es ist nicht wichtig, wann und wie sie aufhört.

Das Wichtige für uns Christen ist, Christus zu bezeugen, nicht uns selbst zu retten. Man muss sich um das Wasser, die Nahrung und die Gesundheit kümmern, um allen zu helfen. Man muss auch eine politische Lösung finden. Man muss handeln. Aber für mich und mein Volk ist unsere erste Aufgabe als Christen, das christliche Leben zu bezeugen. Zu bezeugen, wie wir das Kreuz tragen können, indem wir lieben, vergeben und auch an das Heil der anderen denken.

Wir sind 60 Meter von den schrecklichen Terroristen entfernt, die wirklich Terror und Tod in den Herzen säen. Sie verstümmeln die Menschen, sie zerstören alles. Aber jeden Tag opfern wir in unserer Gemeinschaft unser Leid für ihr Heil auf. Wir beten für sie, wir vergeben ihnen.

Eine Frau klagte bei mir darüber, dass die Umgebung unserer Klosterkirche sich so sehr gewandelt habe. Früher waren christliche Familien dort, es war eine von Christen bewohnte Gegend. „Viele Gesichter haben sich verändert. Viele Moslems sind zu uns gekommen und haben die Häuser der Christen, die weggegangen sind, gemietet oder gekauft.“ Sie beklagte sich, weil sie verspürte, dass etwas Großes sich verändert hatte. Der Atem in den Straßen, die Art des Blickes. Sie fühlte das Unbehagen angesichts dieser Fremden, uns unbekannten. Die Anwesenheit von Nicht-Christen. Ich habe dieser Frau, einer Christin, gesagt: „Ist es nicht vielleicht der Herr, der erlaubt, dass die Menschen und die Umgebung um uns herum sich ändern, damit der Duft Christi auch zu ihnen gelangen kann? Wäre das nicht eine wunderschöne Mission, die der auferstandene Herr von uns fordert? Dann gäbe es kein Unbehagen, sondern ein Nachdenken darüber, was der auferstandene Herr von uns verlangt, und wie wir den Glauben bezeugen und den neu ankommenden Personen mitteilen können.

Wir haben so viel mitzuteilen.  Auch wenn ich in Aleppo in der östlichen Kirche lebe, so lebe ich doch in der universalen katholischen Kirche. Wir haben aus der Geschichte der Kirche gelernt, dass der Christ keine Angst vor irgendetwas hat. Er hat keine Angst vor einer Auseinandersetzung, vor der Unterschiedlichkeit. Er hat keine Angst, die Bibel neuen Studien zu unterziehen, seien es humanistische, geographische oder geschichtliche. Er hat keine Angst davor, die Grenzen zu öffnen. Er hat keine Angst vor dem Zusammenleben mit anderen. Er hat keine Angst vor dem Dialog. Der Christ ist so stark, er hat einen so starken Schatz in seinem Herzen, dass er in aller Freiheit mit allen in einen Austausch treten kann, ohne dabei seine Natur zu verlieren. Ganz im Gegenteil – seine Natur ist aus Dialog gemacht, aus dem Austausch von Reichtümern. Das ist das, was wir Christen suchen. Inmitten der halbzerstörten Stadt können wir unseren Nachbarn und auch den Moslems oftmals Werte vermitteln, ohne auch nur die Worte zu benutzen. Es ist sehr schön, dass in den allerletzten Tagen vor meiner Ankunft hier ein Moslem, der immer mit uns zusammen gearbeitet hat, gekommen ist, und mir ins Ohr geflüstert hat: „Pater, man muss sich anschauen, wie die Leute kommen, um Wasser zu holen, mit einem großen Lächeln, mit großem Frieden im Herzen, ohne zu kämpfen, ohne zu schreien. Ich bin viel in Aleppo rumgekommen und habe viel gesehen: Die Menschen bringen sich um, um an Wasser zu kommen. Sie bringen sich um, während sie am Wasserhahn stehen. An etlichen Brunnen ist das so. Ich staune: Ihr seid anders, ihr seid voller Frieden und voller Freude. Es gelingt euch, mit anderen zu teilen, auch mit uns Moslems,  mit allen. Mit soviel Frieden. Pater, ihr seid anders.“ Das ist es! Dort sein als Christ, mitten in diesem sprudelnden Kochtopf. Aleppo, Syrien, aber auch der ganze Mittlere Osten sind ein sprudelnder Kochtopf. Als Christ dort zu leben, hat eine große Bedeutung. Denn ein bisschen Salz ist sehr wichtig, um diesem sprudelnden Kochtopf den Geschmack  zu geben.

Einige meiner Leute träumen davon, aus dem Land zu fliehen. Das ist normal. Sie empfinden Angst und Unsicherheit wegen der Zukunft ihrer Kinder. Sie haben Terror und alles erdenkliche Böse erlitten. Aber viele von uns Christen sind überzeugt, dass dann, wenn der Herr in einem geschichtlichen Augenblick, am Beginn der Kirche, den Baum der Christenheit in die Kultur in Syrien, im Mittleren Osten eingepflanzt hat, dann haben wir Christen von heute ganz einfach nicht das Recht, diesen Olivenbaum rauszureißen und in einer anderen Region einzupflanzen. Denn der Wille des Herrn war, dort fruchtbar zu sein. Dort ist die Wurzel unseres Glaubens. Dort, wo der Hl. Paulus entlang gegangen ist. Antiochia, nach dem Christen benannt sind. Von Anfang an ist es das Land unserer Märtyrer. Und deswegen sind sehr viele Familien davon überzeugt, dass es eine große Mission ist, heute dort zu bleiben; es ist der Wille des Herrn, das Christentum weiterhin dort zu bezeugen. Ich mache eine Hypothese: Stellt euch vor, die Christen würden den Mittleren Osten verlassen, um vielleicht nach Europa zu gehen. Wieviel Zeit braucht der Herr selbst und sein mystischer Leib, die Kirche, um das Christentum neu in diese Erde einzupflanzen? Unsere Anwesenheit ist eine Mission, wir bleiben dort, wir geben nicht auf, wir lieben noch mehr, wir verzeihen noch mehr, wir geben noch mehr Zeugnis!

Mit dem Glauben, mit der Hoffnung und mit der Nächstenliebe setzen wir diesen unseren Weg fort, der ein Kreuzweg ist. Aber wir wissen, dass unser christliches Leben, unser Weg kein christlicher Spaziergang ist, das wissen wir sehr gut, genau so wie für euch hier. Für ein Kind, das den Weg mit dem Herrn in ernsthafter Weise gehen will, für jemanden, der in Italien, Deutschland oder den USA lebt, ist es immer ein Weg auf einer engen Straße mit vielen Schwierigkeiten, aber vielen Siegen.

Beginnen wir mit dem Leiden, leben wir auch den Tod, aber wir haben keine Angst, denn wir haben die Kraft der Auferstehung. Ist nicht dies das erste Geheimnis des christlichen Glaubens, das österliche Geheimnis? Aufgrund des Glauben wissen wir, dass unsere Leiden eine große Bedeutung haben, eine erlösende Bedeutung für uns und für die, die uns töten, und für die ganze Welt. Grund zu leben, Grund zu sterben – wir haben den Grund. Wir haben so viele Gründe, als wahre Christen zu leben. Mit Freude und großem Frieden im Herzen, die wir mit anderen teilen und so am Aufbau der der ganzen Welt mitwirken.

Als ich in Aleppo an diesen wunderschönen Titel des Meetings dachte, der wirklich eine sehr große Tiefe hat, sah ich dort die zahlreichen Zeichen der Auferstehung. Beispielsweise, dass wir die tägliche Hl. Messe ohne Unterbrechung feiern können. Auch nach Beginn der Krise sind unsere Kirchentüren offen. Schon das ist für mich ein Wunder. Wenn wir noch leben, ist das ist ein Wunder. Wir können das Geschenk des Lebens noch mehr schätzen, aber auch das Geschenk des Wassers. Ich als Franziskaner liebte naturgemäß immer schon das Wasser, die Sonne, den Mond. Nie habe ich dem Herrn jedoch so sehr für das Wasser gedankt, das ich trinke, wie unter dem Wassermangel, den wir jetzt in Aleppo haben. Ich bin voller Dank für das Leben, für die Gesundheit, für die Kraft der Nächstenliebe, die Kraft zur Vergebung, die Kraft für den Dienst den wir verrichten.

Angesichts des Mangels an so vielen Dingen gelingt es uns zu danken. Wir sind immer mehr erfüllt von Dankbarkeit gegen Gott, der uns vieles gibt.

Man kann eine sehr starke Suche nach Gott vonseiten der Christen selbst sehen, von den Priestern und den Bischöfen. Ein Wiedererwachen dieses Durstes danach, in Gemeinschaft zu leben, in großer Einheit mit Gott. Dies ist für mich ein Zeichen der Auferstehung, das ich dort sehe. Aber auch mit unseren Brüdern anderer Religionen, die dort sind. Ich sehe das Wiedererwachen einer großen Suche. Man spürt einen großen Mangel. Wenn man den Fundamentalismus sieht, dann kommen die existenziellen Fragen: ist das die Wahrheit? Ist der Weg, den wir gehen, die Wahrheit? Ihr könnt euch hier nicht vorstellen, wie viel Suche  nach Gott da ist, auch unter unseren moslemischen Brüdern. Wieviel Suche nach Gott sehen wir jeden Tag bei denen, die an unsere Tür klopfen, von denen die nach Jesus Christus fragen, von denen die in die Kirche eintreten, um die Worte Gottes zu hören. Soviel Durst entsteht neu in der Verfolgung und im Leiden.

Wir sind sicher, dass auch dies ein großes Zeichen dafür ist, dass Jesus auferstanden ist und in Aleppo gegenwärtig ist.

Ich danke euch allen.“

(Der Text ist eine vom Redner nicht korrigierte oder autorisierte Mitschrift des in italienischer Sprache gehaltenen, von uns leicht gekürzten Vortrages)

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